Man kann wohl nie zu reich oder zu dünn sein, aber man kann sicherlich zu viel Tee trinken.
Das ist die Quintessenz eines ungewöhnlichen Fallberichts, der diese Woche im New England Journal of Medicine veröffentlicht wurde.
In Detroit behandelten Ärzte eine 47-jährige Frau, die über Schmerzen im unteren Rücken, Hüften, Armen und Beinen klagte. Sie hatte außerdem all ihre Zähne verloren, weil diese brüchig geworden waren.
Irgendetwas stimmte nicht mit den Knochen der Frau. Anhand der Röntgenaufnahme stellten die Ärzte fest, dass die Wirbel der Wirbelsäule der Frau Anzeichen einer schmerzhaften Krankheit namens Skelettfluorose aufwiesen.
Daraufhin führten die Ärzte eine Blutuntersuchung durch, um die Konzentration von Fluorid in ihrem Körper zu messen. Ein gesunder Mensch hat in der Regel weniger als 0,10 Milligramm Fluorid pro Liter Blut, die Patientin hatte laut dem Bericht 0,43 mg pro Liter.
Skelettfluorose kann bei Menschen auftreten, die Wasser mit hoher Konzentration von Fluorid trinken. Industriearbeiter, die Fluorid in Staub und Dämpfen einatmen, sind laut dem US-amerikanischen Zentrum für Krankheitsbekämpfung und Prävention ebenfalls gefährdet.
Allerdings traf keine von diesen Bedingungen auf die Patientin zu. Aber sie gestand, eine Menge schwarzen Tee zu trinken.
Für die meisten Menschen ist schwarzer Tee keine große Quelle von Fluorid – ein Liter enthält typischerweise 1 bis 5 Milligramm, obwohl in einigen Berichten von 9 mg die Rede ist. Doch Menschen, die extrem viel schwarzen Tee konsumieren entwickelt viel eher eine Skelettfluorose.
Laut einer 2011 im Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism veröffentlichten Studie entwickelte eine 48-jährige Frau nach dem Konsum von 3,5 bis 7 Liter gebrühten Orange Pekoe-Schwarztee täglich für mehr als drei Jahrzehnte Skelettfluorose. 2008 erschien im Journal of Bone and Mineral Research ein Fallbericht über eine 49-jährige Frau, die die Krankheit nach dem Trinken von 7,5 l Instant-Tee täglich seit sie 12 Jahre alt war bekam.
Die Patientin aus Detroit erzählte den Ärzten, dass sie einen Kanne Tee täglich in den letzten 17 Jahren trank. Doch dabei handelte es sich nicht um „normale“ Tee-Mengen, denn sie braute ihren Tee mit 100 bis 150 Teebeutel pro Kanne. (Es muss sich wohl um eine besonders große Kanne gehandelt haben.)